Wie kam es zum übertriebenen Jugendkult unserer Tage?

Viel zu viele Frauen im „besten Alter“ überfällt des öfteren wie aus dem Nichts eine Art Panik/Angst vorm Alter und sie sehnen sich unbewußt nach ihrer Jugend zurück. Um diesen Hype der Jugend besser zu begreifen, müssen wir einen kleinen Ausflug in die Geschichte machen. Also begeben wir uns auf eine kleine Reise in die Vergangenheit und wie es überhaupt zum Jugendkult kam:

Die industrielle Revolution begann in England Anfang des 18. Jahrhunderts und dauerte ca. 70 Jahre. Um diese Gesellschaft am überleben zu halten, brauchte man starke Familien. Dies ging natürlich nur über die Frauen. Ein neuer Frauentyp musste also her, der treu und familienberußt war, ohne Widerrede erstaunliche Mengen an Kindern produzierte und sich dem Ehemann in allem und jedem unterwarf. Dieser Typ Frau wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts von den Männern kreiert. Wenn man sich die Mühe macht, und Romane, Theaterstücke, Zeitungsartikel und Predigten aus dieser Zeit liest, wird man geschockt feststellen, mit welchem Geschick die damaligen Männer ihr Ziel verfolgten. Den jungen Mädchen wurde eingebleut, dass die wahre Bestimmung einer Frau in Selbstaufopferung, Keuschheit, Ehe, Kindern und Haushalt liege und nicht das Glück in der Liebe, und die körperliche und geistige Erfüllung erstrebenswert sei. Dieses Fundament der neuen Ideologie der Weiblichkeit wurde durch Angst unzerstörbar gemacht. Die Angst vor dem Alter wurde also künstlich geschürt. Indem man die Vergänglichkeit der Schönheit immer wieder hervorhob und die Welt der Belletristik mit treulosen Verehrer, Mädchenhändlern, Vergewaltigern und schlechten Menschen um sich warf, schien die einzige Rettung der jungen Frau die Arme eines Ehegatten. Diese Ehemänner wurden sogleich in  Romanen und Predigten mit allen Tugenden ausgestattet. Das hilflose Weib konnte nur von ihm von der Altjungfernschaft, der Einsamkeit und dem Spott der Gesellschaft gerettet werden. So kam es, dass bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts sich das Frauenbild komplett geändert hat. All die geistreichen, umschwärmten Damen der Gesellschaft verschwanden leider. Die blassen, ständig schwangeren, kränkelnden und tugendhaften Frauen, die man zu jung verheiratete, hatten so gar keine Chance, um zur Blüte zu kommen. Sie wurden ihrer Sexualität beraubt, ihrer damalig einzigen Stärke, da Bildung und Karriere für Frauen in dieser Zeit sowieso verboten war. Diese Frauen alterten früh, da sie wenig Lebenskraft und Lebenswillen hatten. Damit Frauen nicht auf den Geschmack ihrer Sexualität kamen, wurden alle erotischen Anspielungen für weibliche Leser aus bestimmter Literatur verbannt.
Haben sich Anfang des 18. Jahrhunderts Männer und Frauen noch gemeinsam über Erotik in Theaterstücken und Büchern amüsiert,  wurde die Literatur Ende des Jahrhunderts in Frauen-/Kinderbücher und in Pornographie für Männer aufspaltet. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden in der Holywell Street in London wie aus dem Nichts neunundfünfzig pornografische Buchhandlungen. Verkümmerte Sexualität, panische Angst vorm Alter, geschwächt durch ständiges Gebären, wurden die Frauen ihrer besten Jahre beraubt. Von England kam die Altersangst nach Frankreich und England und Frankreich brachten die Altersangst gemeinsam weiter in die ehemaligen Kolonien nach Kanada und Nordamerika. Dort fiel sie auf sehr fruchtbaren Boden und kam als Altersterror nach dem zweiten Weltkrieg, nach Europa zurück. Erst fünfzig Jahre später begannen sich die Frauen in Europa wieder langsam, sehr langsam davon zu befreien.
Auch die amerikanische Filmindustrie tat ihr Bestes, indem sie ständig Filme von heiratswilligen Teenagern produzierte. Von Frauen, die Großes leisteten und Persönlichkeit ausstrahlten, war nichts zu sehen. Die Leinwand-Göttinnen Hollywods verzichteten bereitwillig auf Studium und Karriere und entschieden sich für Heim und Herd. So sorgte auch die Filmindustrie dafür, die Frauen möglichst jung ins Wochenbett zu treiben und die Verluste der Menschenleben im zweiten Weltkrieg wieder aufzustocen. 

Somit fehlten älteren Frauen die Vorbilder und die Angst vor dem Alter kam in ihre Blütezeit. Dass ältere Frauen mehr leisten konnten, als junge Frauen, durfte nicht anerkannt werden, da die heimgekehrten Männer ihre Ämter und Posten zurückbekommen mussten, die während des zweiten Weltkriegs meist von Frauen weitergeführt wurden…

so daß war nun ein kleiner Einblick, wie der lange Weg der Altersangst entstand und wie es kam:
von der eleganten Dame der Gesellschaft im grauen Haar mit jungem Liebhaber bis hin zur Dreißigjährigen mit Torschlusspanik!

Laßen wir uns nicht mehr von alten und anerzogene Verhaltensmuster und Glaubenssätze leiten und entscheiden wir Frauen in der Lebensmitte, welche Vorbilder wir unseren nachkommenden Generationen hinterlassen wollen.

Hier zu passt der Blogartikel   „Historische Powerfrauen“ 

 

 

1 Kommentar

  1. Marianne

    Sehr aufschlussreicher interessanter Artikel! Danke!
    Ich denke auch, dass es an der Zeit ist, unseren Töchtern und auch Söhnen ein neues Rollenbilder vorzuleben! Das ist für mich immer ein großer Motivator, wenn die Zweifel (egal um welches Thema es geht) zu groß werden! Dann stelle ich mir die Frage: bin ich mit meinem handeln ein positives Vorbild für die, die mir nachfolgen

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